Erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder
und umgeschulte Linkshänder
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I N F O R M A T I O N S B L A T T
zum
S C H R E I B E N M I T D E
R L I N K E N H A N D
1. Allgemeine Hinweise
Methodische Hilfestellungen sind notwendig, da das linkshändige
Kind von sich aus nur schwer eine unverkrampfte und lockere Schreibhaltung
findet.
Wichtig dabei ist:
-
Die lockere Schreibhaltung muss dem Kind vom ersten Tag des
Schreibens an gezeigt werden. Fehlhaltungen lassen sich später kaum
noch korrigieren.
-
Die Schreibhaltung muss vom Lehrer/von der Lehrerin ständig
überwacht werden, insbesondere in den ersten drei bis vier Monaten
nach Beginn des Schreiblehrgangs. Vorsicht: Linkshänder ahmen oft
rechts schreibende Kinder nach.
-
Es ist dringend notwendig, dass sich Eltern über eine
lockere linkshändige Schreibhaltung informieren und den Lehrer/die
Lehrerin zu Hause unterstützen.
-
Die Schreibhand muss unbedingt beibehalten werden. Durch
ständigen Wechsel der Schreibhand werden schreibmotorische Muster
im Gehirn verzögert und gestört aufgebaut.
-
Das linkshändige Schreiben muss psychologisch vorbereitet
und diesbezügliche Befürchtungen der Eltern müssen ausgeräumt
werden. Das Kind soll nicht den Eindruck erhalten, dass es wegen seiner
Linkshändigkeit ein Sorgenkind ist. Es muss seine Linkshändigkeit
als ein natürliches Phänomen erfahren. Daher sollte es auch nicht
zu Überbetonung und Überfürsorglichkeit kommen, die fast
immer eine Gegenreaktion bei den Mitschülern und Geschwistern hervorrufen.
-
Werkzeuge sind u.a.: weiche Blei- und Buntstifte, Linkshänderfüller,
-scheren und -spitzer. Für manche Schüler sind Linkshänderlineale
ungeeignet.
-
Ein Kind, das spontan mit der linken Hand zu malen und zu
schreiben beginnt, darf auf keinen Fall zum Schreiben mit der rechten Hand
angehalten werden. Bei Kindern, die häufig die Schreibhand wechseln,
muss durch einen auf Händigkeit spezialisierten Fachmann, z.B. einen
Schulpsychologen oder Ergotherapeuten, die Händigkeit festgestellt
werden.
-
Verunsicherte und verängstigte, aber auch wache und
angepasste linkshändige Kinder neigen dazu, sich von alleine auf die
rechte Hand umzuschulen (Modellverhalten). Das geschieht besonders dann,
wenn sie wegen ihrer Linkshändigkeit von Mitschülern verspottet
werden oder wenn sie schon im Kindergarten deswegen, ihrer Meinung nach
negativ, aufgefallen sind oder insbesondere dann, wenn sie durch mangelnde
methodische Hilfen die Schwierigkeiten beim Schreiben nicht überwinden
können.
Diese Selbstumstellung muss unterbunden werden, da sie dieselben Folgen
wie eine von Erwachsenen erzwungene Umschulung haben kann.

Abb.: Einüben einer lockeren Haltung durch Verwendung
der Schreibunterlage (Auer Verlag)
2. Schreibhaltung
Lage des Heftes:
Die Heftseite, die beschrieben wird, liegt links der
Mittelachse, die durch Nase und Wirbelsäule festgelegt wird. Weder
der Körper noch der Kopf weicht beim Schreiben davon ab.
Lage der linken Hand:
Die linke Hand stützt sich auf die Handkante und
die seitliche Fläche des kleinen Fingers. Handrücken und Unterarm
bilden einen stumpfen Winkel.
Lage der rechten Hand:
Die rechte Hand hält das Heft am rechten Blattrand,
anfangs möglichst etwas über der Höhe der gerade beschriebenen
Zeile.
Neigung des Heftes:
Die rechte obere Ecke ist im Vergleich zur linken oberen
Ecke nach unten verschoben. Der Neigungswinkel kann variieren. Beim linkshändigen
Schreiben ist ziehendes und stoßendes Schreiben grundsätzlich
möglich. Beim ziehenden linkshändigen Schreiben wird die Schrift,
bedingt durch die starke Neigung des Heftes, allerdings sehr linksschräg.
Haltung der Finger:
Alle Finger bleiben grundsätzlich unterhalb der
Schreiblinie. Die Federspitze zeigt etwas nach rechts bzw. liegt flach
auf dem Blatt. Das Schreibgerät liegt auf dem vorderen Glied des Mittelfingers
und wird vom Daumen und Zeigefinger gehalten. Das hintere Ende des Schreibgerätes
zeigt etwa in Richtung des linken Ellenbogens. Das Schreibgerät sollte
weder zu nah noch zu weit von der Spitze gehalten werden.
Häufigste Mängel:
Heben der linken Schulter; Vorschieben des linken Ellenbogens
(führt zur Krümmung der Wirbelsäule), Drehung des Kopfes
nach rechts; hakenförmige Handhaltung (Schreibhand über der Zeile);
rechte Hand liegt so auf dem Blatt, dass um sie "herumgeschrieben werden
muss"; Heft ist zu weit nach rechts verschoben; der rechte Rand des Heftes
liegt höher als der linke.
3. Spiegelschrift, eine normale Anfangserscheinung
-
einzelne Buchstaben in Spiegelschrift
-
Wörter in Spiegelschrift
-
Vertauschen von Buchstaben/Silben: oben enob ebon
-
Beginn des Lesens in der oberen rechten Ecke
-
Schreibrichtung von rechts nach links in Spiegelschrift;
Spiegelschrift und Verdrehungen von Buchstaben verschwinden gewöhnlich
im Verlauf des 1. Schuljahres von alleine; bei längerem Anhalten sollte
ein Fachmann, z.B. ein Schulpsychologe, zu Rate gezogen werden.
-
Vertauschen und Verdrehungen von Buchstaben kommt selten
und meist weit weniger ausgeprägt auch bei rechtshändigen Kindern
vor und sind häufig ein Signal für physiologische Störungen,
die nichts mit der Händigkeit zu tun haben.
4. Sitzordnung
-
Der Linkshänder darf links von sich keinen rechtshändigen
Nachbarn haben.
5. Lichteinfall
-
Der Arbeitsplatz sollte von rechts oder von vorne beleuchtet
werden.
6. Erinnerungsstützen für die richtige
Hand- und Heftlage
-
Hilfreich kann es für das Kind sein, wenn zu Hause auf
der Schreibunterlage die Umrisse der richtigen Lage des Schreibheftes z.B.
mit Tipp-Ex oder Nagellack vorgezeichnet werden (DIN A5 und DIN A4), so
dass immer die richtige Heftlage nach rechts in Erinnerung bleibt. Dabei
hilft auch die Schreibunterlage, die als Block erhältlich ist (s.
Abb.). Für die Schule kann durch Abschneiden des rechten Teils des
Schreibunterlagenblatts und Überziehen des linken Teils mit einer
durchsichtigen Schutzfolie eine unterrichtsgerechte Schreibunterlage geschaffen
werden.
-
Hilfreich können auch Nachspurübungen sein, die
viele Kinder bereits ein Jahr vor dem Schulbeginn fähig sind durchzuführen
(Vorschläge dazu in: Übungen für Linkshänder)
-
Auch das Schreiben mit Kreide auf eine Tafel kann helfen,
dass von Anfang an eine günstige Handhaltung gefunden wird, da der
mit der Kreide geschriebene Text, ähnlich wie später bei der
Tinte, durch eine ungünstige Haltung verwischt wird.
7. Körperhaltung
-
Die Körperhaltung beim Schreiben gleicht der des Rechtshänders.
8. Schreibhefte in der 1. Klasse
-
Manche Lehrer/Lehrerinnen verwenden in der 1. Klasse Schreiblernhefte,
in denen links, zu Beginn der Zeile, ein Buchstabe oder ein Wort vorgeschrieben
ist, welche das Kind selber mehrmals auf der Zeile nachschreiben soll.
Hierbei verdeckt sich der Linkshänder, auch bei günstigen, lockeren
Schreibhaltung, die Vorlage. Daher wäre es ratsam, auch am rechten
Zeilenende Buchstaben oder Wörter als Muster vorzuschreiben; ein Pfeil
oder Punkt links ist wichtig, um den richtigen Zeilenanfang zu kennzeichnen
z.B.:
--> a_____________________________________________________
a
--> Hase________________________________________________Hase
9. Schreibtempo und Schriftbild
-
Grundsätzlich gilt, dass linkshändige Kinder genauso
schön und genauso hässlich, genauso schnell und genauso langsam
schreiben wie rechtshändige Kinder auch.
-
Linkshändige Kinder, die ausgesprochen langsamer als
ihre Klassenkameraden schreiben, haben häufig leichte feinmotorische
Störungen, die unabhängig von der Händigkeit zu sehen sind.
Das gleiche gilt auch für Rechtshänder.
-
Eine Schriftneigung nach rechts ist für linkshändige
Kinder oft nicht leicht durchzuführen. Im Sinne der Individualität
des linkshändigen Kindes muss man die Konvention des rechtsschrägen
Schriftbildes verlassen. Bei einer günstigen Handhaltung und Lage
des Heftes wird die Schriftneigung eher steil bis leicht linksschräg.
Wichtig ist allerdings, dass sich eine gleichmäßige und lesbare
Schrift ausbildet.
Im Lehrplan für die Grundschulen in Bayern
(2000) wird besonders darauf hingewiesen, dass "Linkshänder ... nicht
zum bevorzugten Gebrauch ihrer nicht dominanten Hand angehalten werden"
dürfen. "Die angeborene Händigkeit darf nicht umgeschult werden."
(D 1/2.2), S. 78
Literaturhinweise:
Meyer, Rolf W., Linkshändig?
Ein Ratgeber, Humboldt-Verlag Baden-Baden, 1991, 2006 (7)
Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung,
Das
linkshändige Kind in der Grundschule. München 1993, Vertrieb:
Auer
Verlag, Donauwörth, 2007 (14)
Sattler, Johanna Barbara, Der
umgeschulte Linkshänder oder Der Knoten im Gehirn. Auer
Verlag, Donauwörth, 1995, 2006 (9)
Dreiteilige Veröffentlichung, einzeln beziehbar:
Sattler, Johanna Barbara,
alle Auer Verlag, Donauwörth
Sattler, Johanna Barbara, Die
Psyche des linkshändigen Kindes. Von der Seele, die mit Tieren spricht,
Auer
Verlag, Donauwörth, 1998, 2006 (5)
Sattler, Johanna Barbara, Links
und Rechts in der Wahrnehmung des Menschen. Zur Geschichte der Linkshändigkeit,
Auer
Verlag, Donauwörth, 2000
Sattler, Johanna Barbara, Das
linkshändige Kind - seine Begabungen und seine Schwierigkeiten,
Auer
Verlag, Donauwörth, 2003, 2004 (2)
Sattler, Johanna Barbara, Schreibtisch-Auflage
für Linkshänder, Auer Verlag,
Donauwörth, 2004
München, den 17.10.2007
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